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Belohnung kontra Motivation

Und Reinhard Sprenger hat doch recht!

Zweifelhafte MotivationSchon 1998 hat Reinhard Sprenger in seinem Buch „Mythos Motivation“ publikumswirksam und zugleich überzeugend dargestellt, dass das in so vielen Führungsseminaren strapazierte Motivationsthema in die falsche Richtung weist. Neben einer kritischen Betrachtung der gängigen Motivationsmodelle z.B. von Maslow und Herzberg hat er vor allem sehr plastisch dargelegt, wie unsinnig und kontraproduktiv es ist, Menschen für das, was sie gerne tun, zu belohnen. Das hat zwar nichts daran geändert, dass diese Praxis gang und gäbe ist: Fußballspieler bekommen Prämien für Tore, Vertriebler ernten Prämien und Incentives für Umsatzsteigerungen und überall werden Boni ausgeschüttet, um besonders zu honorieren, was die Empfänger ohnehin gerne tun. Unsinnig und kontraproduktiv deshalb, weil dadurch die intrinsische Motivation in eine extrinsische überführt wird. Anders ausgedrückt: was die Belohnten vorher gerne und von sich aus taten, leisten sie nur noch wegen der Belohnung. Wird diese nicht gesteigert oder bleibt sie gar aus, kommt es zu Demotivation und Leistungsminderung. Sprenger kritisiert ganz grundsätzlich das Ziel, Beschäftigte zu motivieren, weil sich jeder Mensch nur selbst motivieren kann.

In der Zeitschrift HR Performance erschien nun ein Artikel von Prof. Dr. Hans-Dieter Schat, in dem er Sprengers Thesen als erwiesen ansieht. Er bezieht sich dabei auf verschiedene Untersuchungen zur Wirkung von Prämien im betrieblichen Vorschlagswesen. Sprenger hatte 1994 provokant dazu aufgerufen, das gesamte Vorschlagswesen abzuschaffen, weil die damit verbundenen Prämien eher Schaden als Nutzen stiften würden. Tatsächlich stellt sich nun heraus, dass Sprenger mit seiner Begründung recht hatte.

Mehrere Untersuchungen zeigen, dass Kinder, die mit Belohnungen für eine Aufgabe gewonnen werden, bald unzufrieden sind und das Interesse verlieren. Ihre Leistungen bleiben hinter denen zurück, die andere Kinder erbringen, denen für die gleiche Aufgabe nichts versprochen wurde. Das liegt daran, das erstere nicht handeln, weil sie es für sinnvoll halten, sondern weil die Belohnung jedweden Sinn »ersetzt«. Versuche mit Primaten liefern ähnliche Ergebnisse, auch wenn wir hier nicht mit dem Begriff Sinn operieren können. Hirnforscher konnten bei ähnlichen Untersuchungsreihen anhand der aktivierten Hirnregionen die Beobachtungen untermauern.

Wenn man nun den Zusammenhang zwischen dem Erfolg des betrieblichen Vorschlagswesens und den gezahlten Prämien betrachtet, so erweist sich Sprengers These zur Motivation als richtig. Schat bezieht sich dabei auf Daten aus einem Benchmarking des Zentrums für Ideenmanagement. Ergebnis: Je mehr Prämie desto weniger Beteiligung.

Ist es nicht erstaunlich, dass zwanzig Jahre Diskussion über die Thesen und deren Belege kaum zu Veränderungen der Belohnungssysteme geführt haben? Nicht nur im betrieblichen Vorschlagswesen, sondern ebenso im Vertrieb, in der Produktion, im Fußball und in vielen anderen Bereichen. Der Glaube, mit Prämien den Erfolg zu steigern, lässt sich anscheinend mit Tatsachen nicht erschüttern.


Quellen- und Literaturangaben
Schat, H.-D., Mehr Erfolg mit weniger Prämie – 20 Jahre “Sprenger-These“ in: HR Performance 3/2014
Sprenger, R. 1994: Ideen bringen Geld. Bringt Geld auch Ideen? In: Harvard-Business-Manager 1/1994
Sprenger, R. 1998: Mythos Motivation, campus